Die große Kirchenspaltung im Jahr 1054

 

Vor 950 Jahren, am 16. Juli 1054 trennten sich die orthodoxe und die katholische Kirche voneinander. Bis heute gibt es sie als getrennt voneinander existierende Konfessionen. Wir erklären euch, wie es zu der Trennung kam und was die Unterschiede zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche sind.

 

Wie kam es zu der Trennung?

orthodoxes Kreuzeszeichen

Bis 330 nach Christus war Rom die Hauptstadt des Römischen Reiches. Dort befand sich auch der Sitz des Papstes, der das Oberhaupt der Kirche war. Kaiser Konstantin ernannte 330 die Stadt Byzanz (das heutige Istanbul) zur zweiten Hauptstadt. Ihm zu Ehren wurde sie Konstantinopel oder auch Ostrom genannt. Die Folge war, dass das Reich politisch nach und nach in zwei Hälften auseinander fiel.

Auch für die Kirche hatte das Konsequenzen. Während der Papst in Rom sich mehr und mehr als Oberhaupt aller Christen, auch derjenigen in Ostrom betrachtete, sahen die Christen des byzantinischen Reiches ihre jeweiligen Patriarchen als Leiter an. 

Dazu kamen kulturelle Unterschiede: in der katholischen Kirche war Latein die gängige Sprache, in den Kirchen Ostroms hingegen Griechisch. Im Laufe der Zeit gab es immer weniger Kirchenfürsten, die die Sprache der anderen Seite verstanden. Auch in einigen Fragen der Glaubensauslegung war man sich uneins, besonders was den Stellenwert des Heiligen Geistes anbetraf. 

Machtfragen, die eigentlich nichts mit Glaubensinhalten zu tun hatten, waren jedoch von Anfang an das Hauptproblem gewesen. Über Jahrhunderte hinweg gab es Streitigkeiten und neue Versöhnungen, doch 1054 kam es zum endgültigen Bruch. 

Ein Kardinal macht Ärger

Ein Gesandter der Papstes, Kardinal Humbert sollte eine Unstimmigkeit mit dem Patriarch von Konstantinopel, Michael Kerullarios klären. Statt Kompromissvorschläge zu machen, beschimpfte Humbert den Patriarchen jedoch als Ketzer und schloss ihn aus der Kirche aus. Dasselbe tat nach dem Treffen Kerullarios mit Humbert und seiner Gefolgschaft. 

Zwar schloss der Patriarch nicht den Papst selbst aus der Kirche aus, doch dieser Streit, der scheinbar nur zwischen zwei Einzelpersonen abgelaufen war, wurde zum Trennungsgrund für die beiden Kirchen.

Kreuzritter in Konstantinopel

Verschärft wurde der Konflikt zwischen den beiden Kirchen, als 1204 katholische Kreuzritter in Konstantinopel einfielen und die Stadt verwüsteten. Obwohl beide Kirchen denselben Glauben teilten, war aus dem Nebeneinander ein echtes Gegeneinander geworden. 

Das zeigte sich auch, als die islamischen Osmanen 1453 die Stadt Konstantinopel angriffen und schließlich einnahmen. Auch hier kam keine Hilfe von den römischen Glaubensbrüdern. 
Erst 1965 hoben der katholische Papst und der orthodoxe Patriarch ihre gegenseitigen Kirchenausschlüsse auf. 

Unterschiede zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche

Patriarch Ignatius IV ist das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche von Antiochien

Während die katholische Kirche zentral von Rom aus geleitet wird, hat die orthodoxe Kirche verschiedene Nationalkirchen, die relativ unabhängig voneinander bestehen und denen in der Regel eigene Patriarchen vorstehen. 

So gibt es orthodoxe Kirchen in Russland, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Georgien, Griechenland, Zypern, Polen, Albanien, Tschechien und der Slowakei sowie in Finnland, Estland und der Ukraine. Insgesamt zählen die orthodoxen Kirchen (auch Ostkirchen genannt) etwa 300 Millionen Mitglieder.

In der katholischen Kirche dürfen Priester nicht heiraten, sie unterliegen also dem Zölibat. In den orthodoxen Kirchen ist es Diakonen und Priestern erlaubt, zu heiraten, Bischöfe jedoch sollen allein leben.

Christus-Ikone

Im Gegensatz zu den Katholiken glauben die orthodoxen Gläubigen nicht an die Unfehlbarkeit des Papstes. Gemeinsam ist beiden die Heiligenverehrung, wobei Maria als Gottesmutter jeweils eine besondere Position einnimmt. In den Ostkirchen spielt dabei die Verehrung von Ikonen, Heiligenbildern, eine wichtige Rolle. 

Der orthodoxe Gottesdienst ist noch stärker als in der katholischen Kirche ein Fest für alle Sinne: Weihrauch und Kerzen, Chorgesänge und Hymnen, die prachtvollen Gewänder der Priester, die goldgeschmückten Ikonen und eine Vielzahl von Symbolen tragen dazu bei. Der Gottesdienst dauert etwa drei Stunden.

Schließlich feiern die Ostkirchen (außer Griechenland und Zypern) ihre religiösen Feste noch nach dem julianischen Kalender, der von Julius Caesar eingeführt wurde und nicht wie die Katholiken oder Protestanten nach dem gregorianischen Kalender. Deshalb fällt z. B. Weihnachten nicht auf den 25. Dezember sondern auf den 7. Januar.